05.10.2021
raumwerk eröffnet Niederlassung in Düsseldorf. Nun heißt es nicht mehr nur raumwerk am Main, sondern auch raumwerk am Rhein.

Hotel Heidelberg
Architektur, Wettbewerb – 1. Preis, Heidelberg

Ein neues Stadtentrée für Heidelberg

Am Hauptbahnhof Heidelberg entstehen ein Hotel und ein Boardinghaus. Der ausgewählte Standort zeichnet sich in besonderer Weise durch das Zusammentreffen von Fern- und Nahverkehr, ÖPNV und Individualverkehr aus. Die prominente Lage am zukünftigen Stadtbalkon mit direkter Verbindung zum Hauptbahnhof Heidelberg ist wesentlich. Die beiden neuen Häuser werden zusammen mit dem Hauptbahnhof als Ensemble im Sinne eines einheitlichen Stadtbausteins begriffen. In der gemeinsamen Typologie der polygonal geformten Baukörper mit Lochfassade und einer durchgängigen Farbigkeit wird ein verbindendes Grundthema gesetzt. Dabei ist die Gestaltung betont zurückhaltend und erscheint durch elegante Einfachheit zeitlos und selbstverständlich.

Es entsteht ein einprägsamer und in der Fernwirkung einheitlich wirkender skulpturaler Baukörper, der sich jedoch durch die Variation der gewählten Fassadenthemen auf den zweiten Blick weiter differenziert. In der städtebaulichen Struktur dieses Quartiers formuliert das Gebäudeensemble den westlichen Stadteingang von der Kurfürsten-Anlage kommend neu. Die beiden Gebäude besetzten bewusst die Ränder des Grundstücks, sodass zwischen den Häusern ein neuer Platz entsteht, der die Baukörper miteinander verbindet und Raum für das Ankommen und Aufhalten im Freien bietet.

Die Gestaltung des neuen Gebäudeensembles ist aus der denkmalgeschützten Fassadengliederung des Hauptbahnhofes von Helmuth Conradi entwickelt. Sie ist in ihrer Architektursprache bewusst zeitlos zurückhaltend, um als Hintergrund für den Hauptbahnhof zu dienen, gleichzeitig aber in ihrer Materialität eigenständig zu bleiben. Beide Baukörper sind mit hellem Klinker verkleidet, der sich an den Innen- und Außenseiten in seiner Struktur und Haptik unterschiedlich zeigt. Die innen liegende Klinkerfassade springt in jeder zweiten Schicht vor, wodurch ein raues Erscheinungsbild aus Licht und Schatten entsteht. Die äußeren Fassaden der beiden Gebäude bekommen durch ein ruhiges glattes Fugenbild eine homogene Oberfläche. Es entsteht ein Wechselspiel zwischen rauer Innenseite und glatter Außenhaut. Um die unterschiedliche Nutzung der beiden Häuser ablesbar zu machen, wird die gleichmäßige Struktur der Lochfassade durch verschiedene Fensterelemente weiter akzentuiert. Das Hotel erhält durch umlaufende leicht hervorstehende Fensterzargen und einen höheren Glasanteil eine reliefartige Tiefenstaffelung. Die ServicedApartments interpretieren das Thema Fensterrahmung dagegen als zurückliegende Putzfasche mit schräger Seitenfläche. Im Bereich der Tiefgarage ist die gesamte Einfassung entlang der Südfassade im Sockel als perforiertes Mauerwerk ausgebildet. Diese Perforation dient der natürlichen Be- und Entlüftung der Stellplätze und weiteren Hoteleinrichtungen sodass die Anforderungen an eine offene Tiefgarage erfüllt werden. Durch den Rücksprung des Sockels kann das vorhandene Bahnsteigdach erhalten werden. Die beiden Baukörper darüber bleiben ablesbar und die Gebäudehöhe wird optisch reduziert. Es entsteht eine ruhige, regelmäßige Lochfassade, die sich eigenständig entlang der Bahnschienen präsentiert und bewusst auf Farbigkeit und Struktur des 50er-Jahre-Baus eingeht.