23.08.2022
2. Preis im Wettbewerb Hochhaus an der Hafenspitze, Zollhafen Mainz

Hochhaus Hafenspitze, Zollhafen Mainz
Architektur, Wettbewerb – 2. Preis

"Ich nutzte die Elemente von einfachen Formen - Quadrat, Würfel, Linie und Farbe - um logische Systeme zu erzeugen. Die meisten dieser Systeme waren endlich, d.h. sie waren vollständig und enthielten alle möglichen Variationen. Dadurch blieben sie einfach." (Sol LeWitt)

Das neue Hochhaus an der Hafenspitze Zollhafen Mainz ist in seinem gestalterischen Ausdruck zunächst zurückhaltend. Eine einfache Gittergeometrie unterstreicht die Gleichheit aller vier Gebäudeseiten und verdeutlicht, dass es sich um ein Haus auf einem Platz handelt. Hierbei erinnert der Entwurf an die präzisen Gitterrahmen-Skulpturen von Sol LeWitt, die das tragende System im Inneren mit dem Äußeren verbinden. Der US-amerikanische Künstler experimentierte mit modularen Strukturen, die er wiederholte, variierte und nach bestimmten Regeln anordnete, sodass serielle Gefüge entstanden. Diesem Prinzip folgt auch der Entwurf für das Hochhaus. Die Struktur ist nach außen hin ablesbar: Die Regelmäßigkeit des Rasters dient als ordnendes Gestaltungsprinzip des Holzhybridskelettbaus mit angehängter Elementfassade, der sich durch eine harmonische Einheit von Proportion und Geometrie auszeichnet. Erst auf den zweiten Blick werden minimalistische Materialität und konstruktive Finesse des Hauses sichtbar. Das dem Entwurf zugrundeliegende Raster wird in einzelne Rahmen aufgelöst, die die Feinheit der Struktur unterstreichen.

Die Entwurfskonzeption stellt einen Bezug zu den Werten der UBM "green, smart and more" her und ergänzt diese um die Haltung "less is more!"  Beim "less" geht es gleichermaßen um die gestalterische Konzeption als auch um eine klare Position zu aktuellen Themen wie Ressourcenverbrauch und Nachhaltigkeit: less CO2, less pollution, less waste!  Aus diesem Grund wird die Fassade für das Gebäude so klar und transparent wie möglich ausgeführt und mit so wenig Technik wie nötig ausgestattet. Die zweiachsige Rasterstruktur ist mittig geteilt und mit geschosshohen Verglasungen ausgefacht wobei ein Lüftungsflügel in die Rahmenkonstruktion der Fenster integriert wird. Gerahmt wird das Raster durch schmale Aluminiumelemente, die nach außen hin verjüngen, um die Fassade möglichst filigran erscheinen zu lassen. Ein außenliegender Sonnenschutz reguliert die solaren Einträge. Diese gleichförmige Gitterrahmenstruktur wird lediglich an zwei Stellen des Hauses akzentuiert: Im Erdgeschoss ist das Raster höher ausgeführt und die glasgefüllten Ausfachungen sind an den ablesbaren Eingangsstellen des Hauses zurückgesetzt, damit der öffentliche Raum in das Foyer des Hochhauses hineinfließen kann. In der fünften Etage ist in Blickbeziehung zum Platz ein "Stadtparterre" angeordnet, das sich ebenfalls durch eine leichte Zurücksetzung des Glases und durch einen höheren Grad an Transparenz absetzt. Es formuliert den Übergang zur Dachterrasse und nimmt Bezug zur umliegenden Geschossigkeit. Beide Eingriffe in die Struktur sind minimalistisch, aber als Verbindung zwischen dem Inneren und dem Äußeren des Hauses klar ablesbar. Hierbei geht es vor allem darum, die inneren Werte des Hauses zur Schau zu stellen: die Holzhybridkonstruktion mit ihren warmen, behaglichen Oberflächen genauso wie die einladenden, modernen Arbeitswelten des Unternehmens.