HOTEL, HBF HEIDELBERG Wettbewerb – 1. Preis

Hotel und Beherbergungsstätte, Hauptbahnhof Heidelberg

BAUKÖRPER
Der für das Hotel und die Beherbergungsstätte (ServicedApartments) ausgewählte Standort am Heidelberger Hauptbahnhof zeichnet sich in besonderer Weise durch das Zusammentreffen von Fern- und Nahverkehr, ÖPNV und Individualverkehr aus. Die prominente Lage am zukünftigen Stadtbalkon mit direkter Verbindung zum Hauptbahnhof Heidelberg ist wesentlich. Die beiden neuen Häuser werden zusammen mit dem Hauptbahnhof als Ensemble im Sinne eines einheitlichen Stadtbausteins begriffen. In der gemeinsamen Typologie der polygonal geformten Baukörper mit Lochfassade und einer durchgängigen Farbigkeit wird ein verbindendes Grundthema gesetzt. Dabei ist die Gestaltung betont zurückhaltend und erscheint durch elegante Einfachheit zeitlos und selbstverständlich. Es entsteht ein einprägsamer und in der Fernwirkung einheitlich wirkender skulpturaler Baukörper, der sich jedoch durch die Variation der gewählten Fassadenthemen auf den zweiten Blick weiter differenziert. In der städtebaulichen Struktur dieses Quartiers formuliert das Gebäudeensemble den westlichen Stadteingang von der Kurfürsten-Anlage kommend neu. Die beiden Gebäude besetzten bewusst die Ränder des Grundstücks, sodass zwischen den Häusern ein neuer Platz entsteht, der die Baukörper miteinander verbindet und Raum für das Ankommen und Aufhalten im Freien bietet.

FREIRAUM
Der zwischen den Gebäuden entstehende Freiraum gliedert sich in zwei Bereiche. Die östliche Fläche dient als Willkommens-Zone. Menschen die zu Fuß, mit dem Fahrrad oder Auto eintreffen können hier bequem an- und abreisen. Im westlichen Bereich, bewusst abgetrennt durch die Engstelle der beiden Baukörper, befindet sich die Aufenthalts-Zone. Die durch die Baumaßnahmen entfallenen Bäume werden an dieser Stelle neu gepflanzt. Hier entsteht ein kommunikativer Treffpunkt im Freien. Der Frühstücksbereich der ServicedApartments kann nach draußen in die Sonne verlagert werden, gleichzeitig bietet dieser Ort einen Blick auf das Gleisvorfeld und die gegenüberliegende Bahnstadt. Im Osten des Hotels befindet sich der Stadtbalkon, der das Bindeglied zwischen vorhandenem Hauptbahnhof und neuer Bebauung dient. Die Gestaltung des Platzes folgt dem prämierten Konzept von Bierbaum Aichele LA. Ein durchgängiger Oberflächenbelag ist mit kleinen Rasenlinsen gegliedert, die sich aus den Belagsflächen erheben. Sie dienen als Ruhezonen im Bahnhofsverkehr und gliedern die gesamte Fläche. Das Erdgeschoss des Hotels ist an seiner dem Platz angrenzenden Fassade bewusst transparent ausgebildet. Auch hier besteht die Möglichkeit das Restaurant und die Bar zum Plätz hin zu öffnen, um den Stadtbalkon in seiner Nutzung zu beleben und attraktiv zu machen. Den südwestlichen Abschluss dieses Freiraumes bilden Sitzbänke, die als Treffpunkt für diejenigen gestaltet sind, die den Ausblick zum neuen Stadtteil Heidelbergs, der Bahnstadt genießen wollen. Der Bahnhofsvorplatz, der Stadtbalkon und die beiden westlich anschließenden Plätze zwischen den Baukörpern formulieren gemeinsam eine spannende räumliche Abfolge von Enge und Weite. Die einzelnen Freiräume um das Gebäudeensembles werden definiert. Sie sind als Raumkontinuum wahrnehmbar und unterstützen die Orientierung an diesem Ort.

ERSCHLIESSUNG
Durch das große Spektrum an Verkehrsmitteln, die an diesem hochfrequentierten Ort verfügbar sind, entstehen hohe Anforderungen an die Erschließung. Daher werden die Bewegungsströme der verschiedenen Verkehrsteilnehmer und die Übergänge zum öffentlichen Raum klar definiert. Generell berücksichtigen die einzelnen Platzbereiche die Anbindungen an die vorhandenen Verkehrsknoten und schaffen ausreichend Umsteige- und Parkmöglichkeiten für die unterschiedlichen Nutzergruppen. Die Fahrradrampe und die Rasenlinsen sind so platziert, dass sie die Dynamik der Laufwege aufgreifen und in klare Richtungen lenken. Die Vorfahrt für das Hotel und die Beherbergungsstätte ist für Taxen und Autofahrer auf kurzem Weg erreichbar, sodass die PKWs in der Freifläche wenig Raum einnehmen. An dieser Stelle ist auch die Tiefgarageneinfahrt in das Gebäude integriert. Die Anlieferung erfolgt über die Platzränder und beeinträchtigt damit nicht die Eingangsbereiche der Häuser. Durch die großzügigen Freiräume, können sich Fußgänger uneingeschränkt zwischen Bahnhof, Hotel und ServicedApartments bewegen.

FAHRRADPARKHAUS
Für mit dem Fahrrad ankommende Pendler ist eine Fahrradgarage unter dem Stadtbalkon vorgesehen. Die erforderliche Zufahrtsrampe befindet sich nördlich der Bahnhofserweiterung und ist parallel zur Straße positioniert, um die uneingeschränkte Nutzung der Freifläche für den Stadtbalkon zu ermöglichen. Ein großzügiges Längsloch, das an den Enden abgerundet ist, öffnet die untere Parkebene für die Radfahrer und stellt eine natürliche Belichtung und Belüftung sicher. Angefahren wird die Rampe von Osten, um eine direkte Anbindung an den Hauptbahnhof und Straßenbahn zu gewährleisten. Die Fahrradgarage kann entweder in Richtung Bahnsteig 1, oder mit dem Aufzug bzw. einer Treppe an der Rampe in Richtung Straßenbahnhaltestellen verlassen werden. Die beiden gegenläufigen Erschließungswege entlasten damit den hoch frequentierten Platz zwischen Hotel und Hauptbahnhof. Die Parkebene im Untergeschoss ist in den vorhandenen Geländeversprung integriert, so dass die Südfassade des Fahrradparkhauses vollständig geöffnet werden kann. Sie ist mit einem perforierten Ziegelmauerwerk verkleidet, welche als Einbruchschutz und gleichzeitig als Zuluftöffnung dient. Zusammen mit dem Rampenauge ist eine optimale Querlüftung der Fahrradgarage sichergestellt.

FASSADEN/MATERIALIEN
Die Gestaltung des neuen Gebäudeensembles ist aus der denkmalgeschützten Fassadengliederung des Hauptbahnhofes von Helmuth Conradi entwickelt. Sie ist in ihrer Architektursprache bewusst zeitlos zurückhaltend, um als Hintergrund für den Hauptbahnhof zu dienen, gleichzeitig aber in ihrer Materialität eigenständig zu bleiben. Beide Baukörper sind mit hellem Klinker verkleidet, der sich an den Innen- und Außenseiten in seiner Struktur und Haptik unterschiedlich zeigt. Die innen liegende Klinkerfassade springt in jeder zweiten Schicht vor, wodurch ein raues Erscheinungsbild aus Licht und Schatten entsteht. Die äußeren Fassaden der beiden Gebäude bekommen durch ein ruhiges glattes Fugenbild eine homogene Oberfläche. Es entsteht ein Wechselspiel zwischen rauer Innenseite und glatter Außenhaut. Um die unterschiedliche Nutzung der beiden Häuser ablesbar zu machen, wird die gleichmäßige Struktur der Lochfassade durch verschiedene Fensterelemente weiter akzentuiert. Das Hotel erhält durch umlaufende leicht hervorstehende Fensterzargen und einen höheren Glasanteil eine reliefartige Tiefenstaffelung. Die ServicedApartments interpretieren das Thema Fensterrahmung dagegen als zurückliegende Putzfasche mit schräger Seitenfläche. Im Bereich der Tiefgarage ist die gesamte Einfassung entlang der Südfassade im Sockel als perforiertes Mauerwerk ausgebildet. Diese Perforation dient der natürlichen Be- und Entlüftung der Stellplätze und weiteren Hoteleinrichtungen sodass die Anforderungen an eine offene Tiefgarage erfüllt werden. Durch den Rücksprung des Sockels kann das vorhandene Bahnsteigdach erhalten werden. Die beiden Baukörper darüber bleiben ablesbar und die Gebäudehöhe wird optisch reduziert. Es entsteht eine ruhige, regelmäßige Lochfassade, die sich eigenständig entlang der Bahnschienen präsentiert und bewusst auf Farbigkeit und Struktur des 50er-Jahre-Baus eingeht.

SCHALLSCHUTZ
Die Wettbewerbsauslobung fordert aufgrund der Außenlärmbelastung durch Verkehrslärm ein resultierendes Schalldämmmaß von R'w, res = 55dB für alle Außenbauteile. Um diese Anforderung an den baulichen Schallschutz mit einer einschaligen Massivwand zu erreichen, wird eine flächenbezogene Masse von mindestens m' = 470kg/mÑ benötigt. Dieses Flächengewicht kann mit einer 20cm dicken Betonwand oder mit 24cm dickem KS Mauerwerk RD 2,0 kg/dmÑ inkl. Putz erreicht werden. Da eine vergleichbare schalltechnische Qualität für die Fenster der Außenfassade über einfache Schallschutzfenster mit Isolierverglasung nicht zu erreichen sind, werden spezielle schalloptimierte Konstruktionen erforderlich. Der Einsatz von Kastenfenstern sichert den geforderten Schallschutz und bietet in dieser Bauart auch Synergieeffekte in Hinblick auf Energieeinsparung (z.B. witterungsgeschützte Montage des Sonnenschutzes). Darüber hinaus ist ein besonderes Augenmerk auf die Lage der Fenster innerhalb der Wand und die Ausführung der Bauanschlussfugen zu richten, da diese ebenfalls den hohen schalltechnischen Anforderungen genügen müssen.

BRANDSCHUTZ
Beide Gebäude verfügen in den Obergeschossen über zwei voneinander unabhängige bauliche Rettungswege mit einem Fluchtweg von weniger als 35m. Im Erdgeschoss sind die unterschiedlichen Nutzungen voneinander mit Brandabschnitten abgetrennt. Für alle Räume sind alternative Rettungswege vorhanden. Die für die Feuerwehr erforderlichen Bewegungsflächen sind auf dem Grundstück nachgewiesen. Im Untergeschoss sind alle Treppenräume mit Sicherheitsschleusen an die Tiefgarage angebunden. Zusätzlich ist gewährleistet, dass die zulässige max. Rettungsweglänge von 30 Metern von jeder Stelle der Garage bis in die Treppenräume eingehalten ist.

TRAGWERK
Der Baukörper besteht aus drei unterschiedlichen Systemen: Die Decken der Regelgeschosse mit den Hotelzimmern werden über tragende Außenwände und Schottwände gestützt. Durch Vorfertigung ggf. mit Vorkonfektionierung der Nasszellen ist ein statisches Bauteil einsetzbar, das beim nachfolgenden Innenausbau eine Zeit- und Kostenersparnis bietet. Die Struktur des Erdgeschosses stellt ein statisch vermittelndes Bauteil dar. Dabei werden die Wandachsen der darüberliegenden Außenwände auf Stützen aufgelagert. Die Auflasten aus den Fertigteilnasszellen, die in den Regelgeschossen als Mittelauflager dienen, werden direkt auf die Flachdecke aufgestellt. Die für das EG optimierte Stützenanordnung wird ergänzt durch Unterzüge, die die Lasten aus den Obergeschossen aufnehmen und verteilen. Für das Untergeschoss mit seiner Nutzung als Tiefgarage, Büro- und Wellnessbereich stellt die Ausbildung von Unterzugdecken die wirtschaftlichste Lösung dar. Aufgrund der Höhenverhältnisse in direkter Nachbarschaft zum Bahnsteig 1 des Hauptbahnhofes erfordert der Hotelneubau eine Gründungsebene unterhalb des Bahngleises. Damit werden die Auswirkungen aus Setzungen von der Gleistrasse ferngehalten. Die dort anstehenden, überwiegend sandigen Bodenverhältnisse ermöglichen voraussichtlich eine Gründung über Streifenfundamente