BUDDENBROOKHAUS Lübeck, Wettbewerb – 4. Preis

AUSSTELLUNGSKONZEPTION
Der Ausstellungsgestaltung sind die zwei zentralen Begriffe zugrunde gelegt, die für die Bedeutung des Buddenbrookhauses und das Künstlertum der Familie Mann stehen: Die  Sprache, also Ausdruck der Kraft des Wortes und das  Buch als Form und Gefäß der schriftstellerischen Genieleistung. Für die chronologisch-biografischen Stationen wird ein einheitliches Holzmöbel konzipiert in rechtwinkeliger L-Form, das sich aus dem aufgeklappten Buch ableitet und den Raum auf unterschiedliche Weise gliedert. Sie kleidet ein Buchrücken zur Außenseite und eine mit Papier bezogene Vorderseite. Die abstrahierten Bücher werden durch Einbauten zu »Displays« und dienen je nach Exponat als Vitrine, Bücherregal, Aufbewahrungsschrank, Projektionsfläche, Pinnwand etc.

Der fiktiv-literarische Teil der »Literatur-Inseln« nimmt Gestalt in klassischen, hölzernen Lesepulten als Innbegriff der konzentrierten Hingabe und Aufnahmen von Sprache und Text. Die Pulte, multimedial mit Sound, Video, Ipad oder Schreibevorrichtung ausgestattet, können, durchaus manövrierbar, alleine, als Duo, oder im Kreis aufgestellt als vielseitiges Hauptausstellungsmedium dienen. Große Papierbahnen, den Wänden vorgespannt, von der Decke hängend, an Schienen hin- und her zu bewegen, dienen darüber hinaus als Projektions- oder Darstellungsflächen für herausragende Textstellen, Zitate. Der Gang durch die Ausstellung folgt einem Narrativ und beginnt im EG mit historischer Fassade und durch die Diele des Buddenbrookhauses. Der Besucher betritt über Empfang und Café zur Rechten das Kontor und somit die Welt des ehemaligen und heutigen Lübeck. Das Kontor ist als neuartiger Museumsraum konzipiert: Eine Verbindung aus Museumsshop und Ausstellungsraum, der über die Station 0.2 »Willkommen im Weltbürgerhaus« den Rundgang eröffnet. Über die zentrale, alle Stockwerke überwindende, repräsentative Treppe betritt der Besucher die oberste Ausstellungsebene des Dachgeschosses. Der erfolgreiche Aufstieg der Kaufmannsfamilie Buddenbrook und die Bedeutung der Hanse- und Handelsstadt Lübeck wird hier körperlich nachempfunden. Von der obersten Ebene führt die Ausstellung abwärts und thematisiert sowohl den Verfall als auch die Errungenschaften der Schriftstellerfamilie Mann. Der Verfall der Kaufmannsfamilie wird über das kontinuierlich physische »Abwärts« inszeniert und führt am Ende des Rundgangs »Vom Elternhaus zur Menschheit« hinaus in die Welt und die Rezeptionsgeschichte. Aus Kuratorensicht bieten sich das Giebeldach in der Mengstraße 4 oberhalb der Galerie Station »Professor Unrat« für eine künstlerische Auftragsarbeit an. Ebenso wird eine Arbeit in-situ für den Boden z. B. der Ausstellungsfläche 1. OG Mengstraße 6 vorgeschlagen, die sich den Konterfeis der Manns und ihren literarischen Entsprechungen widmet. Attraktiv für eine Intervention durch Künstler ist auch die Wandfläche im Seminarraum (UG) zum Hof hin.