18.12.2018
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Parkhaus Bochum B
Architektur, Bochum

Wie erhält ein Systemparkhaus eine maßgeschneiderte Fassade?

Der Entwurf für das Parkhaus besteht aus einem effizient organisierten Systembau aus Stahl und einer maßgeschneiderten Einfassung aus massiven Ziegelwänden, die die Qualitäten der Umgebung in ihrem rauen Erscheinungsbild und industriellen Charakter aufnimmt. An den beiden Eingangsseiten sind markante und präzise, großflächige Mauerwerksöffnungen angelegt.

Die Gebäudeecken sind massiv ausgebildet und unterstreichen das Bild des Stützbauwerks in einer Landschaftsterrasse. Um den Anforderungen an eine offene Großgarage gerecht zu werden, ist die gesamte Einfassung entlang der Ost-, West- und Südfassade als perforiertes Mauerwerk ausgebildet. Die Perforation dient der natürlichen Be- und Entlüftung des Parkhauses.

Gemeinsam mit den großflächigen Öffnungen an den Eingangsseiten und dem in der Mitte über die gesamte Länge des Parkhauses angeordneten Licht- und Luftschacht wird ein Öffnungsanteil von über einem Drittel der Fassadenfläche erreicht und somit eine ausreichende Querlüftung sichergestellt. Die Perforation erzeugt an sonnigen Tagen ein interessantes Licht- und Schattenspiel im Innern des Bauwerks.  Die gewebeartige Klinkerfassade besteht aus einer Mischung schwarz-blau-bunter Kohlebrandziegel und wird mittels Mauerwerks-Drehanker am Stahlbau des Parkhauses befestigt.

Im Wechsel wird eine Reihe dünner Langformat- Ziegel mit den Abmessungen 490/115/52 mm und eine Reihe Sonderformat-Ziegel mit den Abmessungen 240/90/90 mm gemauert. Während die Langformatziegel durchgängig verlegt sind, zeichnet sich die Reihe der höheren Sonderformatziegel dadurch aus, dass jeder zweite Stein weggelassen wird. Der entstehende Hohlraum wird durch die langen Formate überdeckt und nicht verfugt. Aufgrund der offenen Oberfläche der Langformatziegel wurden diese als Vollklinkerstein ausgeführt. Die Rückseite der Steine ist bündig übereinander gemauert und erzeugt eine glatte und flächige Innenansicht. Die Gebäudeaußenseite zeichnet sich durch horizontal verlaufende, markante Vor- und Rücksprünge aus und erzeugt eine reliefartige, liegende Fassadenstruktur.  Die Fassade des Parkhauses wurde in von Hand gefertigtem Sichtmauerwerk hergestellt. Die Abtragung der Vertikallasten (Eigengewicht) erfolgt über das linienförmige Aufstellen des Mauerwerks auf die Fundamente bzw. Stützmauern. Die Abtragung der Horizontallasten (Windlasten und Anpralllasten) wird über Aluminiumprofile gesichert, die horizontal frei von Stahlstütze zu Stahlstütze gespannt sind. Der Anschluss des Mauerwerks an die Aluminiumprofile geschieht über Edelstahl-Drahtanker, die drehbar in den Profilen gelagert und in den Lagerfugen des Mauerwerks verankert sind. Die Stürze im Bereich der Ein- und Ausfahrten wurden als Stahlbetonbalken mit eingelegten Verblendern aus dem gleichen Steinmaterial im Negativverfahren als Fertigteile hergestellt.

STANDORT: Bochum FLÄCHE: 3.600 qm ZEITRAUM: 2009–2013 NUTZUNG: Parkhaus LEISTUNG: LPH 1–9 BAUKOSTEN: 5,4 Mio. EUR BAUHERR: Stadt Bochum & EGR Entwicklungsgesellschaft Ruhr-Bochum,  Herr Michael Müller

Fotografie: Thomas Koculak

Auszeichnungen