29.07.2020
Goldener Ring am Rhein – Düsseldorf erfindet sich mit dem "Blaugrünen Ring" neu. Ein Interview mit Sonja Moers, Jon Prengel und Aileen Treusch

Besucherzentrum Mathildenhöhe
Architektur, Freiraum, Darmstadt

„Eine Stadt müssen wir erbauen, eine ganze Stadt! Alles andere ist nichts“ (Joseph Maria Olbrich, 1897 in Wien)

Grundgedanke des Entwurfs für das neue Besucherzentrum ist der Brückenschlag nach Osten und die Ausformulierung einer Eingangsseite hin zum Landschaftsraum Rosenhöhe. Hierbei wird der Grundgedanke von Zusammenspiel des Neubaus mit dazugehörigem Freibereich weiterentwickelt und behutsam in die Topographie des Osthangs eingearbeitet. Das Besucherzentrum wird als dreigeschossiges Gebäude mit nach Osten vorgelagertem terrassiertem Freiraum positioniert. Es bildet die zentrale Besucherstation eines „Prozessionsweges“ sowohl von Osten über die Achse Löwentor–Rosenhöhe–Oberfeld als auch von Westen über Erich-Ollenhauer-Promenade und Mathildenhöhe.

Der Entwurf sieht eine zweiseitige Ausrichtung vor und nimmt auf der Nordwestseite die Orthogonalität der Mathildenhöhe mit Blick auf den Hochzeitsturm auf und orientiert sich entlang der Südostseite an der Achse Olbrichweg hin zum Löwentor. Diese beiden Richtungen setzen sich in der Ausformulierung des Baukörpers weiter fort. Die Gebäudevolumetrie wird diagonal geschnitten und gegenseitig versetzt um nach Osten eine Außentreppe mit Blick zum Löwentor anzubieten und nach Westen einen Vortragssaal mit ansteigender Bestuhlung zu verorten auf dessen Dachfläche sich der höhergelegene Aussichtspunkt zur Mathildenhöhe befindet. Mit dieser Gelenkfunktion erhalten die beiden Richtungen Stadtseite und Landschaftsraum eine entsprechende baukörperliche Ausformulierung. 

Das Besucherzentrum ergänzt das vorhandene Gebäudeensemble mit einer eigenständigen Architektur und den Bezügen zur Umgebung. Der Neubau erzählt die Geschichte des besonderen Ortes.

Fassade, Gestaltung
Das Gebäude ist in seiner Grundkonzeption trapezförmig und durch eine präzise geschnittene Diagonale sowie sein monolithisches Volumen gekennzeichnet. Das Versetzen der beiden Gebäudeteile ermöglicht die Ausbildung der Eingangssituation sowie die Orientierung in zwei Hauptrichtungen. Die Fassaden werden fugenlos und in fein geschliffenem, mattiertem Beton ausgebildet. Die unregelmäßig grau-rote monochrome Farbgebung erfolgt durch eine Mixtur aus weiß-grauem Zement und rotem Basaltstein und Schiefersplitt. In der matten Fassade spiegeln sich leicht die umgebenden Gebäude der Mathildenhöhe.

Die Gestaltung der Einschnitte erfolgt in Analogie zur Raumfolge von Ausstellung, Vortag, Seminar und Cafe. Sie geben den Blick frei auf die Innenwelt des Besucherzentrums und stärken den skulpturalen Baukörper.

Freiraum
Neben dem baulichen Impuls des Neubaus führt auch die Gestaltung des Freiraums zu einer neuen Wahrnehmung des Ortes: die heutige Rückseite wird zu einem zweiten Entrée. Die hierfür erforderliche Großzügigkeit wird durch zwei Maßnahmen erreicht. Das heute rückwärtige Gartenareal wird zu einem kleinen Quartierpark gestaltet, die Straße in eine Promenade mit Bevorzugung des Langsamverkehrs transformiert.

Der Garten
Vom Fiedlerweg her kommend führt ein neuer Weg nördlich des Besucherzentrums und der Hochschule in geschwungener Führung bis zum Platz am südlichen Ende des Lucasweges. Begleitet wird der Weg durch ein klassisches Element der angrenzenden Gärten. Eine Hecke schafft die notwendige Distanz zu den benachbarten Privatflächen und bindet neue Nutzungen ein. Sitzplätze und ein neuer Spielplatz erweitern die sonst eher offenen, terrassierten und großflächigen Freiräume der Mathildenhöhe um introvertierte Bereiche.

Der Weg und die Topographie respektieren den Baumbestand, welcher durch eine reichhaltige Auswahl an Gartengehölzen wie Magnolien und Zierkirschen, aber auch Linden ergänzt wird. Ein flaches, z.B. durch das Regenwasser der angrenzenden Dachflächen gespiesenes Wasserbecken spiegelt die Weite des Himmels und der Wolken in den Garten.

Die Promenade 
Der Olbrichweg wird in eine Begegnungszonen transformiert, deren verbindendes Element der Stadtboden ist: Die Kontinuität des Bodenbelages wird über einen durchgehend ‚veredelten’ Asphaltbelag erreicht. Die Asphalt-Welt der angrenzenden Straßenräume wird zur Gewährleistung der Befahrbarkeit fortgesetzt. Die deutlich andersartige Gestaltung des Asphalts signalisiert jedoch das Betreten und Befahren eines neuen Bereichs mit geänderten Verkehrsregeln und -hierarchien.

Für diesen Eindruck wird ein mit besonderen Zuschlägen oder nachträglicher Oberflächenbearbeitung ‚veredelter‘ Asphalt vorgesehen, deren Oberfläche ein natürliches und lebhaftes Bild zeigt und sich an der Körnung und Färbung an den wassergebundenen Flächen der Mathildenhöhe orientiert.  Alte und neue Platzbereiche gehen so ineinander über.