BAAKENHAFEN, HAMBURG Wettbewerb – 2. Preis

STANDORT: Hafencity Hamburg,
Ankerplatz Baakenhafen
FLÄCHE: 3.460 qm
ZEITRAUM: 11/2016–02/2017
NUTZUNG: Wohnen, Arbeiten
LEISTUNG: Hochbaulicher Realisierungswettbewerb
AUSLOBER: FRANK Siedlungsbaugesellschaft mbH & Co. KG, vertreten durch die FRANK Heimbau Nord GmbH, Fuhlsbüttler Straße 216, 22307 Hamburg und die Planungsgemeinschaft Ankerplatz GbR, c/o CONPLAN GmbH, Kirchentwiete 29, 22765 Hamburg

STÄDTEBAULICHES KONZEPT
Ausgangssituation: Das Baufeld 83b »Ankerplatz Baakenhafen« bildet mit dem westlich benachbarten Gebäude eine gemeinsame Blockstruktur, die entlang der Versmannstraße unterhalb des Verbindungsbaukörpers mit einem 8,00m hohen Durchgang in zwei Teilbereiche gegliedert ist. Im Westen des Blocks befindet sich an prominenter Stelle der Gerda-Gmelin Platz, im Osten schließt die Bebauung mit einem Warftplatz ab. Das benachbarte Gebäude »Sportsdome« zeichnet sich durch seine Freizeitnutzung und gläserne großformatige Fassadengestaltung aus.
 
Ziele: Entwicklung einer stadträumlichen Qualität im öffentlichen Raum, Einbindung in die umgebende Bebauung, Schaffung eines hochwertigen Wohnangebots für einen durchmischten Wohnungsmix:
– Ausbildung eines prägnanten und charaktervollen Gebäudeensembles, das individuelle Gebäudeteile erkennen lässt
– Eigenständigkeit und Selbstverständlichkeit als Wohnungsbau in direkter Nachbarschaft zum großmaßstäblichen Sportsdome durch die Verwendung eines ruhigen und regelmäßigen Fassadenrasters
– Adressbildung entlang der Versmannstraße durch Ausbildung von drei leicht auskragenden, winkelförmigen Erkerbauteilen
– Komposition zweier sich ergänzender Fassadenmaterialien zur harmonischen Gliederung großen Fassadenflächen und Volumetrie
– Gute Belichtung aller Einheiten um die große Gebäudetiefe für Wohnnutzung zu ermöglichen
– Optimierung der Vorplanung unter den Aspekten des Lärmschutzes, der Südausrichtung kleiner Wohnungen sowie der Wirtschaftlichkeit und Flächeneffizienz der Flure
– vielfältiges Angebot an Wohnungstypen und angemessene Durchmischung der Bewohnergruppen einzelner Häuser
– Verwendung bewährter Erschließungssysteme: 2-, 3- und maximal 4-Spänner durch Hinzufügen eines zusätzlichen Treppenhauses bei gleichzeitiger Optimierung der Flächenökonomie, Reduktion der angeschlossenen Wohneinheiten je Stiege auf maximal 4
– optimale Süd-, West- und Ostausrichtung aller Wohneinheiten, jede Wohnung besitzt einen großzügigen privaten Freiraum wie z.B. Süd-  und Westbalkon,  in den äußeren Eckwohnungen Haus 3a und 5 verglaste Loggia mit Aussicht auf den Baakenhafen

FASSADENGESTALTUNG
Grundlage des Entwurfs ist die Ausbildung eines ruhigen, regelmäßigen Fassadenrasters, um sich in angrenzender Nachbarschaft zum großmaßstäblichen und verglasten Sportsdome als Wohnungsbau zu behaupten und sich mit eigener Selbstverständlichkeit entlang der Promenade zu präsentieren. Das gleichmäßige Raster der Lochfassade wird durch verschiedene Elemente akzentuiert. Zum einen werden durch drei leicht auskragende, winkelförmige Erkerbauteile Wohnadressen entlang der Versmannstraße ausgebildet. Dies dient insbesondere der fußläufigen Orientierung aus Richtung des Gerda-Gmelin Platzes und der U-Bahn Haltestelle. Die drei Erkerflächen schieben sich oberhalb der 5,5m hohen Erdgeschosszone leicht in den Straßenraum und formulieren volumetrisch am Ende der Blockstruktur 83 a/b die individuellen Eingänge und Wohnadressen. Zusätzlich wird das Gebäudevolumen aus Blickrichtung der Bahn- und Straßenfläche angenehm rhythmisiert. Zum anderen ist das gleichmäßige Raster mit Fenster- und Fassadenelementen bestückt, die sowohl verglaste, transparente wie auch farbige, geschlossene Bereiche zulassen. Durch diese Maßnahme lässt sich eine Vielzahl unterschiedlicher Wohnungsgrößen anordnen und der individuell gewünschte Fensterflächenanteil steuern. Darüber hinaus wird ein gewünschter, heller und warmer farblicher Akzent gesetzt.

OPTIMIERUNG DER VORPLANUNG
Ausgehend von der Vorplanung wurden die Vorteile einer Laubengangerschließung mit zwei Treppenhäusern gegenüber einer Optimierung der Flurzonen und einem zusätzlichen Treppenhaus abgewogen. Die hohe Zahl der zusätzlich geforderten 1-Zimmer Wohnungen führt bei den Laubengangsystemen zu Nachteilen: Es entstehen 6-Spänner mit langen außenliegenden Fluren. Aus diesem Grund wurde die Erschließung mit Hilfe eines zusätzlichen Treppenhauses bei gleichzeitig sehr viel kürzeren Flurzonen optimiert. Weitere Vorteile sind die kompakte einheitliche Gebäudehülle, die zu wesentlichen Energieeinsparungen führt und der Entfall einer zweiten, innenliegenden Fassade. Im vorliegenden Entwurf sind an den 3 Erschließungskernen entlang der Versmannstraße 3- und 4-Spänner angeordnet, die zu übersichtlichen Wohnnachbarschaften führen. Mit Hilfe der Ausbildung druckbelüfteter Treppenhäuser entfallen die Schleusen und die innenliegenden Flure werden mit Tageslicht versorgt. Die geforderten Blöcke zur Unterbringung der Wohnungen der »Alsterdorfer Assistenz« (1- bis 2 Zimmer Wohnungen) werden an den Treppenhäusern 3 und 4a angeordnet und durch zusätzliche Wohneinheiten ergänzet. Somit entfallen zusätzliche Laufwege für das betreute Wohnen. Die Häuser 1, 2 und 4b vervollständigen den geforderten Mix an Wohnungsgrößen und sind aufgrund der eigenständigen Erschließung nachträglich veränderbar. So können in Haus 4b z.B. die großen Wohnungen in den oberen Etagen auch in kleinere Einheiten umgewandelt werden.

LÄRMSCHUTZ
Sämtliche Wohnungen sind »durchgesteckt« und alle 1-Zimmer Wohneinheiten werden zum Innenhof hin ausgerichtet. Hierdurch lassen sich Schlafräume aller Wohnungen an die lärmabgewandte Seite orientieren. Aufgrund des Durchsteckens sind gleichzeitig attraktive Wohnbereiche in Richtung Versmannstraße möglich. Auf der Nordseite sind in den Häusern 3 und 4b insgesamt 8 Wohnungen ohne Anschluss an den Innenhof positioniert. Diese Wohnungen erhalten jeweils auf der Ost- und Westseite einen verglasten Wintergarten/Loggia, um den erforderlichen Lärmschutz der Schlafräume herzustellen und einen Freibereich zu ermöglichen.

ENERGIEKONZEPT
Optimierung des Energiebedarfs, Nutzung erneuerbarer Energien, Reduktion der CO2-Emissionen, Schonung von Ressourcen und Berücksichtigung der »grauen« Energie

Gebäudekonzept
– kompakte Bauweise durch sehr gutes A/V-Verhältnis (Entfall der Laubengänge)
– thermische Hüllflächen unterschreiten die Mindestanforderungen Effizienzhaus 55
– Vermeidung von Wärmebrücken durch intensive Detailabstimmung
– aktive Sonnenenergienutzung durch große süd- und südwestorientierte Fensterflächen
– effektive Verschattung der transparenten Flächen (Planung durch thermisch-dynamische Gebäudesimulation) erzeugen ein angenehmes Raumklima auch ohne aktive Kühlung
– Installation aller allgemeinen Stromverbraucher (Beleuchtung, Pumpen, Antriebe, usw.) in den jeweils höchsten erhältlichen Effizienzklassen und zusätzliche Spartechniken (z.B. Präsenzmelder).
– Übergabe von Nutzerbroschüren für den ressourcenschonenden Umgang im Haushalt sowie über energieeffiziente Haushaltsgeräte
– die eingesetzten Baumaterialien erfüllen die Kriterien der Nachhaltigkeit, der Umweltverträglichkeit und des gesunden Wohnens

Um die großen Fassadenflächen harmonisch zu gliedern werden zwei sich ergänzende Materialien gewählt. Das Grundmaterial entlang der Versmannstraße wird durch einen blaubunten Klinker (z.B. Janinhoff Blau Bunt) gebildet, der die erhöhte Erdgeschosszone sowie den gesamten östlichen Gebäudeabschluss verkleidet. Die drei Erkerflächen setzen sich durch die Verwendung einer elementierten, hell-beigen Fassadenfläche (z.B. eingefärbte Betonelemente oder Faserzement) bewusst ab und unterstreichen die Adressbildung. Auf der Westseite zeichnet sich das Haus 2 ebenfalls ab und wird analog der Nordseite vom blaubunten Klinker eingefasst. Entlang der Wasserseiten markieren großzügige durchlaufende Balkone die maritime Ausrichtung der Wohnungen.